Gamechanger Wasserstoff – Stoff für eine nachhaltige Partnerschaft


Solarpark in Tunesien/ Bild: Peter Stein
Solarpark in Tunesien / Bild: Peter Stein

In der Ausgabe 01/2021 den Magazins BUSINESS & DIPLOMACY habe ich einen Artikel zu Tunesiens Rolle bei der Zukunft unserer Energieversorgung veröffentlicht:


Tunesien könnte für Europa und Afrika zukünftig eine bedeutende Rolle als Energieversorger spielen. Durch seine zentrale Lage am Mittelmeer, seine klimatischen Rahmenbedingungen und seine gut ausgebildete Bevölkerung bietet es alle Vorrausetzungen, bei der Energieerzeugung und deren Export ganz vorne mitzuspielen. »Grüner Wasserstoff« ist das Zauberwort. Zu Grunde liegt die Erkenntnis, dass die Energieerzeugung der Zukunft sich fundamental ändern muss. Die Menschheit wächst, die wirtschaftliche Entwicklung und damit der Energiehunger der allermeisten Staaten nehmen zu. Gleichzeitig zwingt uns der voranschreitende Klimawandel, sämtliche Energiekreisläufe mittelfristig zu dekarbonisieren - Kohle, Gas und Erdöl müssen also durch regenerative Energiequellen ersetzt werden.


Sonne, Wind und Wasserkraft sind aber nicht in allen Ländern reichlich vorhanden und nicht gleichmäßig verteilt. Die gewonnene Energie muss also gespeichert und verteilt werden. Dies wird in Zukunft immer mehr in Form von Wasserstoff geschehen. Das Prinzip ist einfach: Regenerative Energie wird verwendet, um Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff zu spalten und so gespeichert. Der so entstandene »grüne« Wasserstoff kann als Gas verteilt, in Verbindungen wie z.B. Ammoniak gespeichert oder zu synthetischen Kraftstoffen verarbeitet werden.


Tunesien bietet beste Standortvoraussetzungen für Photovoltaik und darüber hinaus an der Küste gute Windpotentiale. Lediglich die Süßwasserressourcen sind begrenzt, weswegen Wasserstofferzeugung immer mit Meerwasserentsalzung verbunden werden sollte. Um dieses Potential zu heben, haben Deutschland und Tunesien im Dezember 2020 eine gemeinsame Absichtserklärung über den Aufbau einer Allianz für die Entwicklung des Wasserstoff-Sektors in Tunesien abgeschlossen. Mit der Absichtserklärung steigen Deutschland und Tunesien in eine Partnerschaft von Produktion und Vermarktung des in Tunesien aus erneuerbaren Ressourcen erzeugten grünen Wasserstoffs und seiner Folgeprodukte ein. Zur Umsetzung erster Pilotvorhaben fördert Deutschland diese Zusammenarbeit mit 31 Millionen Euro.


Als Rostocker Bundestagsabgeordneter, Mitglied im Wirtschafts- und Entwicklungsausschuss und Nordafrikaexperte unterhalte ich seit Jahren enge Kontakte zu Tunesien. Es ist das einzige Land, das aus dem arabischen Frühling in einer stabilen Demokratie angekommen ist. Tunesien verdient unsere besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung!


In der Diskussion setze ich mich dafür ein, dass die Lösungen für Transport und Logistik von Beginn an mit entwickelt werden. Viele Regionen in Deutschland werden vom Aufschwung profitieren, den die sich entwickelnde Wasserstoff-Industrie mit sich bringen wird. Meine Heimatstadt Rostock mit seinem Energiehafen macht sich ebenfalls auf, ein überregionales Zentrum zu werden. Dass es mir gelungen ist, bereits vor fünf Jahren eine Städtepartnerschaft Rostocks mit der nordtunesischen Hafenstadt Bizerte zu initiieren, kann uns jetzt helfen.


Die Zukunft der Energieversorgung gehört dem grünen Wasserstoff. Sowohl Deutschland als auch Tunesien müssen ihre Chance nutzen, um von Anfang an ganz vorne mit dabei zu sein. Die Voraussetzungen sind gut, erste Schritte vollzogen. Auch wenn der Weg noch weit ist, so sind Deutschland und Tunesien quasi natürlich Partner auf dem Weg zu einer zukünftigen klimaneutralen Energieversorgung.



Positionspapier - Rolle der Seehäfen H2
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